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"Er ist anders, aber er ist einer von uns"

"Er ist anders, aber er ist einer von uns"

Von Ralf Johnen, 05.05.11, 17:39h


Die Klasse 7d der Realschule Menden hat den 14-jährigen Autist Tobias aufgenommen. Der Jugendliche ist von seinen Mitschülern schnell integriert worden. Sogar der Lehrer profitiert von seiner Anwesenheit.


Anfangs saß Gabi Toparkus (r.) immer bei Tobias (2.v.r.) in der Nähe. Heute reicht es meist, wenn sie im Raum ist. (Bild: Johnen)

Sankt Augustin - Es ist 11.20 Uhr. Gleich beginnt die zweite große Pause. Höchste Zeit, dass sich Gabi Toparkus für ihren Einsatz bereit macht. Gleich wird sie das Klassenzimmer der 7d verlassen, um mit Tobias schon mal den Weg auf den Schulhof anzutreten - bevor die anderen 540 Kinder der Realschule Menden auf den Pausenhof stürmen. Der 14-Jährige braucht diese Sonderbehandlung. Er mag keine Menschenmengen. Ja, er reagiert zuweilen mit nackter Panik, wenn er angeschrien oder angerempelt wird. Tobias nämlich ist Autist. Und wie sein Klassenlehrer Christian Brenk erläutert, schafft er es nicht immer, alle Situationen emotional zu verarbeiten.

Dafür aber kann Tobias "ganz normal" am Unterricht einer Realschulklasse teilnehmen, statt - wie in der Vergangenheit bislang unvermeidlich - sein Dasein auf einer Förderschule zu fristen. "Inklusion" lautet das Zauberwort. Ein etwas sperriger Terminus, mit dem die Zusammenführung von "gewöhnlichen" Kindern und solchen mit Behinderungen oder Förderbedarf in Politik und Verwaltung bezeichnet wird.



Überraschender Anruf


Wie Schulleiterin Ute Wiehlpütz zugibt, war sie durchaus überrascht, als sie im vergangenen Jahr einen Anruf vom Verein "Der Karren" erhielt. Ob sie vorstellen könne, ein autistisches Kind aufzunehmen? "Klar", habe sie gesagt. "Aber wir haben natürlich absolut keine Erfahrung." Inklusion nämlich ist in Deutschland noch etwas Neues. Und obwohl die Realschule auf dem Sterbebett liege - ab dem kommenden Schuljahr wird sie jahrgangsweise durch eine Gesamtschule ersetzt - habe man sofort zugesagt, das Experiment einzugehen.


Eine wichtige Rolle spielt darin der junge Klassenlehrer Brenk (34). Vor einer sechswöchigen Probephase hat er sich mit Schulleiterin Wiehlpütz, Betreuerin Toparkus und einer Sonderschulpädagogin zusammengesetzt, um abzuwägen, wie man das angehe. Eine Entscheidung ist schnell gefallen: "Wir haben eine Einführungsdoppelstunde abgehalten. Für Tobias, aber auch für die Mitschüler." In deren Rahmen hat Brenk erklärt, dass Tobias "ein bisschen anders ist", er die Dinge anders wahrnehme. Aber nicht schlechter und auch nicht besser. Kein einfaches Unterfangen, wie er verschmitzt einräumt: "Schließlich haben wir in der Klasse einige Individualisten, die viel Aufmerksamkeit benötigen."


Die Integration allerdings verlief zu Brenks eigener Überraschung gut. Auch weil er den Mitschülern Bilder gezeigt habe, die Tobias im Kopf rekonstruiert und dann gemalt habe. Komplizierte Loriot-Zeichnungen. "Das hat ihm sofort Akzeptanz gebracht." Mittlerweile habe die Verbundenheit ganz erstaunliche Ausmaße angenommen. "Neulich", sagt Brenk, "wurde der Klasse ein neuer Lehrer vorgestellt. Da haben die Kinder von sich aus erklärt: Das ist der Tobi. Er ist ein bisschen anders. Aber er ist einer von uns." Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten gewöhnt sich auch der 14-Jährige immer besser an sein neues Umfeld: War Tobias anfangs verschreckt, sobald etwas Neues auf ihn ein wirkte, so spielt er mittlerweile sogar Fußball mit seinen Mitschülern.


Das alles, erklärt Wiehlpütz, funktioniere aber nur verlässlich, weil Gabi Toparkus den ganzen Tag in der Nähe ist. Die 59-Jährige Integrationshelferin kennt den Jungen noch aus den Tagen, als er die Förderschule in Bonn-Vilich besucht hat.Tagtäglich bewahrt sie ihn vor dem Trubel der Pausen. Außerdem hat die Schulleitung den beiden einen Raum zur Verfügung gestellt, in den sie sich bei Bedarf zurückziehen können. Das war kürzlich erforderlich, als ein "Schulhund" zu Gast war. Tobias rannte aus der Klasse und wollte nicht wieder zurück. "Das konnten wir nicht wissen", so Wiehlpütz.

Klassenlehrer Brenk ergänzt, dass alle Beteiligten von den Begegnungen profitieren. Auch er lerne täglich dazu, denn er wisse nicht immer vorab, wie Tobias auf eine Situation reagiere. Er selbst übrigens kann sich über fehlende Aufmersamkeit nicht beklagen: "Wenn ich in Mathe eine falsche Zahl an die Tafel schreibe, weist mich der Tobi sofort darauf hin."



Problematische Finanzierung


Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) und ihr Landtagskollege Michael Solf (CDU) haben sich gestern vor Ort davon überzeugt, dass Inklusion ein zukunftsfähiges Konzept ist. Solf betonte, dass allen Kindern eine ähnliche Betreuung zustehe. Allerdings sei wie so häufig die Finanzierung problematisch: Während die Schule grundsätzlich Ländersachesei, muss die Betreuung von den Kommunen übernommen werden. In Sankt Augustin übernimmt dies der "Karren" mit inzwischen zehn bis 15 Mitarbeitern.


Quelle:


http://www.ksta.de/html/artikel/1304594521774.shtml

 



Das nächstes Treffen am 3.02.2012 um 19:00 Uhr
fällt wegen gesundheitlichen Gründen aus.
Ansonsten finden die Treffen jeden1 Freitag im Monat um19:00 Uhr in den Räumen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Rhein-Sieg-Kreis, in Oberlar.

Landgrafenstraße 1,
53842 Troisdorf statt.

Hier geht es um AD(H)S, Asperger, Borderline, und Co.
Es findet ein Erfahrungsaustausch statt, es ist für Betroffene, Angehörige, Interessierte, jeder ist dort willkommen.

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Tel.: 02241 / 312958
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